Geschichte


Die Geschichte von Blumenthal


Blumenthal wurde vom Deutschherrenorden gegründet. Zuerst war der deutsche Orden jedoch in Aichach angesiedelt. Herzog Heinrich I. hatte 1210 dem Orden ein Deutschordenshaus in Aichach geschenkt. Der deutsche Orden wurde dann in den folgenden Jahrhunderten der größte Landbesitzer im Umkreis Aichach und erwarb die Gemeinden Klingen, Sielenbach, Stunzberg, Oberbernbach zwischen 1250 und 1720. Die Hofmark Blumenthal wurde vermutlich um 1254 erworben und anfänglich durch ein Ordenshaus bewirtschaftet.

1296 erscheint erstmals der Name Blümenthal. Bereits zu diesem Zeitpunkt erhielt Blumenthal vom Bayerischen Herzog die niedere Gerichtsbarkeit. Ursprünglich war Blumenthal und Aichach eine Kommende (Leitendes Ordenshaus) ab 1396 war die Kommende Blumenthal der Hauptsitz der Komture (Leiter der Ordenshäuser). Blumenthal gehörte zur Ballei Franken.

Dank einem Stich von Wenning (siehe im Gasthaus am Stammtisch) und den verschiedenen Tafeln an den Gebäuden kann man die Geschichte der Gebäude relativ gut nachvollziehen.

An Hand der Wappentafel (Sakristei) des Komturs Heinrich von Babenhausen kann man sehen, dass das ursprüngliche Schloss Blumenthal um 1568 erbaut wurde.

Was sie heute als erhaltene Kirche sehen ist vom ursprünglichen Schloss nur noch der Südflügel. Noch bis 1822 stand hier ein Schloss mit vier Flügeln und großem Innenhof, umgeben von einem Wassergraben, der sich aus der Ecknach speiste. Das Schloss diente dem Orden als Hauptsitz der Komturei. Von Beginn an war in dem Gebäude die jetzige Kirche untergebracht.

Diese wurde in den Jahren 1719 bis 1721 vom Komtur Freiherrn von Weichs barockisiert, wie die Inschrifttafel von 1720 über dem Eingang und sein Wappen am Chorbogen belegen.

Eine Besonderheit ist der Bandelwerkstuck mit musizierenden Engeln und die Fresken des Münchner Malers Melchior Steidl im Langhaus – sie sind gleichzeitig entstanden. Der Altarraum, wie auch der Altar selbst, sind Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden, vermutlich wurde beim Abriss des alten Schlosses der Altarraum beschädigt und neu erstellt – siehe den Unterschied in der Malerei.

An der Südwand sind 11 Grabplatten bzw. Epitaphien von 1440 bis 1794 für besondere Komture eingelassen. Ganz rechts sehen Sie ein original Mantelordenskreuz des Komturs Freiherr von Eptingen (1794). Es wurde bei Renovierungsarbeiten 1968 seinem Grab entnommen.

Die geweihte katholische Kirche untersteht heute dem Pfarramt Klingen. Zu besonderen Anlässen werden dort Messen gelesen, gelegentlich kommen Wallfahrer, so der Emausgang jeden Ostermontag. Seit 2008 finden dort mindestens einmal pro Monat Hochzeiten statt sowie 6 mal pro Jahr klassische Konzerte.
Der Westflügel des ältesten Gebäudes war lange Zeit das Schwesternwohnhaus der Ordensschwestern und wurde 2008 renoviert. Die Wohnung enthält noch den Originalstuck und die Fußböden aus 1568. Das Erd- und Dachgeschoss werden 2009 zu Wohnungen ausgebaut.

Der deutsche Orden hatte Blumenthal bis 1806 in Besitz. Durch die Säkularisation fiel Blumenthal an den bayerischen Staat. Im gleichen Jahr erwarb Graf Fugger von Dietenheim Blumenthal. Bereits 1822 und 1836 riss der Erbe Graf Karl Rasso das Wasserschloss ab und ließ die Gräben auffüllen. Anstelle dessen wurde das neue Schloss westlich der alten Burg Mitte des 19. Jahrhunderts erbaut. Es diente den Fuggern zuerst als Wohnsitz. Es blieb lediglich bis 1871 im privaten Besitz der Fugger, dann wurde es an die Fürstliche und Gräfliche Fuggersche Stiftung verkauft. Bis 1952 wurde Blumenthal dann als Landwirtschaft betrieben, insgesamt wurden 800 Hektar bewirtschaftet, an die umliegenden Bauern in Andersbach, Matzenberg und Wilpersberg verpachtet und die Forstbetriebe aufgebaut.  Der landwirtschaftliche Betrieb wurde vor allem im riesigen im Westen liegende Ökonomiegebäude (1200 qm Grundfläche) geführt. Es brannte 1959 vollkommen ab und wurde dann neu erbaut. Beachtenswert ist die stählerne Dachkonstruktion, welches das Obergeschoss zur größten freistehenden Halle im weiten Umkreis macht.

Im Schloss wohnten die Verwalter sowie das Gesinde, in dem kleinen sog. italienischen Gebäuden westlich des Schlosses waren die Schweizer (Melker) und der Pfarrer untergebracht.

(An dieser Stelle stand über zwei Monate eine Fehlinformation über die Familie Hesse, für die wir uns entschuldigen.)

1952 gründeten die Fuggerschen Stiftungen dann das Altersheim mit 27 Pflegeplätzen. Wieder waren es die Ordensschwestern des deutschen Ordens, die dieses Altersheim betreuten. Durch den Besitz der Fuggerschen Stiftungen waren es vor allem Adelige aus dem Osten, die hier ihre letzten Jahre verbrachten, dies war auch in 2006 noch so. Der Friedhof in Klingen zeugt von dieser Tatsache durch die vielen Adelstitel auf den Grabsteinen.

Seit 1986 (also über 20 Jahre) versuchten die Fuggerschen Stiftungen Blumenthal zu verkaufen. Das Altersheim genügte den modernen EU-Anforderungen nicht mehr und war nur noch mit riesigen Verlusten zu betreiben, welche dann den Fuggereisozialwohnungen in Augsburg abgingen. Unzählige Konzepte wurden gemacht, eingereicht und wieder verworfen. Vom Golfplatz über AWO-Altersheim bis hin zu Go-Kart Rennstrecken war alles mit dabei. Allen war dieser Platz jedoch zu groß, zu schwierig zu bewirtschaften, zu sehr mit Geschichte belastet.

Seit  dem Jahre 2003 suchten mehrere Familien einen Platz für ein zukunftsweisendes Projekt des Zusammenlebens. Sie suchten einen Platz, wo sie in gegenseitiger Unterstützung von 3-4 Generationen zusammen leben könnten, und dies in ökologischer Ausrichtung, mit viel kulturellem Leben wie  Musik, Malerei, Bildhauerei und Literatur aber auch in ökonomischer Zusammenarbeit. 2004 erfuhren sie von Blumenthal. Über zwei Jahre dauerten die Verhandlungen mit den Fuggerschen Stiftungen, der Stadt und dem Landkreis, Baubehörden und Denkmalschutz.

Genau 200 Jahre nach dem Erwerb der Fugger, ging Blumenthal in den Besitz von 8 Familien über. Seit 1. März 2007 bewohnen sie Blumenthal. Zuerst zogen alle in das ehemalige Schloss und Altersheim und renovierten die 8 vorhandenen Wohnungen, in die sie dann nach und nach einzogen. Im April 2008 wurde bereits die letzte Wohnung fertig gestellt und bezogen. Seither wird das Schloss vorübergehend als Hotel garni in einfacher Weise betrieben. Im Sommer 2009 soll hier der Umbau in ein 75 Betten Hotel erfolgen, welches am 1.1.11 eröffnen soll. Es soll im wesentlichen Seminarhotel werden sowie für Hochzeiten zur Verfügung stehen, die hier nahezu wöchentlich stattfinden.

Im westlichen Rinderstall und im Ökonomiegebäude, sowie in anderen Gebäuden, sollen langfristig für 70 Menschen Wohnraum und Arbeitsplätze entstehen.

In 2008 wurden imnordwestlichen Bereich des Ökonomiegebäudes einerseits die Schlossbrauerei Blumenthal wieder eröffnet, andererseits ein Holzhackschnitzelheizwerk gebaut, welches ganz Blumenthal beheizt und in welches jeweils € 200.000,00 investiert wurden.

Das Brau- und Schankrecht wurde Blumenthal übrigens bereits 1405 von Herzog Stephan II. von Bayern verliehen. Jedoch erst 1719/20 wurde das im Norden liegende Verwaltergebäude, das Bräustüberl und die Brauerei erbaut. Seitdem wurde das Bräustüberl von zahlreichen verschiedenen Pächtern mit mal mehr und mal weniger Erfolg betrieben. Im Jahre 2007 wurde das ziemlich heruntergekommene Bräustüberl komplett renoviert und neu eingerichtet und erweitert, die Küche neu ausgestattet. VBesonders zu erwähnen sind der Hochzeitssaal mit bis zu 100 Plätzen sowie der Salon de Tango mit Platz für bis zu 60 Personen. Vor allem die Stuckarbeiten an den Decken sowie der alte Boden wurden aufwendig renoviert. Der 1910 gegründete Blumenthaler Schützenverein konnte seine Schießstätte behalten und ist gern gesehener Gast in Blumenthal.

Seit 1. Dezember 2007 bewirtschaften wir die Gaststätte selbst. Bereits im ersten Jahr wurden dort 15 Hochzeiten gefeiert (mit Trauung in der Kirche) und im Biergarten bis zu 1000 Personen pro Tag bewirtet. Die Gaststätte kocht fast ausschließlich mit frischen Zutaten und in biologischer Qualität, es wird die bayerische Küche gepflegt, wie auch moderne mediterrane und vegetarische Küche geboten.

Bis 1965 wurde auch die Fuggersche & Blumenthalerische Brauerei betrieben und eigenes Bier gebraut und ausgeschenkt. Im Rahmen des Brauereisterbens wurde die Brauerei dann aufgegeben und von der Storchenbrauerei (Memmingen) weiterbeliefert. Wir sind besonders stolz, dass seit 14. September 2008 der Odelzhausener Jörg Heinevetter wieder eine Schlossbrauerei Blumenthal betreibt. Derzeit gibt es ein Urhelles Biobier, dazu kommen ein Weizen und ein Dunkles, sowie verschiedene Spezialbiere.

Im vorderen und mittleren Teil des Gebäudetraktes befinden sich 6 Wohnungen, die von den Inhabern renoviert und bewohnt werden. Künftig sollen im mittleren Bereich ein Hofladen mit den Erzeugnissen von Blumenthal (Honig, Bier, Marmeladen, Biowein, Gemüse, Spezialitäten) entstehen. Der hintere Teil wird der bildenden Kunst gewidmet. Hier werden Ausstellungsräume und Kunstateliers gebaut bzw. werden hier Arbeitsplätze für künftige Bewohner reserviert.

Als weitere Gebäude sind zu erwähnen die beiden Türme, welche um 1650 erbaut wurden. Der Westturm wurde lange Zeit als Silo genutzt, während der Ostturm als Gefängnis gedient hat. Die Gerichtsverhandlungen der Komturei fanden im jetzigen Hochzeitssaal statt.

Etwa 1750 folgte südlich vom Ostturm das Fischerhäusel. Dort war die Schmiede untergebracht. Heute wird es von unserem Holzbildhauer Sigi Zecherle ausgebaut und bewohnt und als Atelier benutzt. Auf der anderen Seite vom Ostturm wurde zeitgleich das Jägerhaus erbaut. Der in Blumenthal geborene Schmiedesohn und ehemalige Hausmeister von Blumenthal Josef Baumgartner (Schmiedsepp) wohnt auch heute noch dort, wo er geboren wurde und ist jetzt 75 Jahre alt. Er kennt alle Geschichten von Blumenthal.

Zwischen dem Fischerhäusel und der Kirche stand noch bis 1980 die Wagenremise (Kutschengarage). Diese wurde auch von Handwerkern genutzt auf einer Grundfläche von insgesamt 400 qm. Im Rahmen des Hotelausbaus wird diese Remise wieder originalgetreu aufgebaut und  die künftigen Seminarräume des Hotels beherbergen sowie für Tagungen und Veranstaltungen genutzt werden können.

Das von uns so genannte Künstlerhaus wurde im selben Jahr wie der Eiffelturm, also 1889 erbaut. Es war ursprünglich als Elektrizitätswerk und Mühle genutzt, denn Blumenthal war ja insgesamt durch einen Wassergraben und –lauf umgeben, wo die derzeitige Teerstraße verläuft. Seit 1974 wurde es von dem Künstler Volker Dahm bewohnt und als Galerie genutzt. Um es vor dem Verfall zu schützen, es ist wohl das baufälligste Gebäude in Blumenthal, wird es in den nächsten Jahren von Grund auf renoviert werden und dann wieder Künstlern zur Verfügung stehen.

Zu erwähnen ist noch der herrliche 4 Hektar große Schlosspark mit seinem alten und seltenem Baumbestand, insbesondere der Hainbuchenallee. Der gesamte Park ist als Biotop und denkmalrechtlich geschützt. Man sieht dort auch Rehe, Dachse, Fledermäuse die im Dachgeschoss leben und Elfenkönige, die jährlich auf unserem Elfenfestival erscheinen. Immer im Mai auf unserem Elfenfestival wird der Park verwandelt und Kinder und Erwachsene lassen sich durch die Welt der Trolle und Elfen verzaubern. Ganz hinten sind noch zwei schöne Fischweiher zu bewundern, welche von dem Bach aus dem Blumenthaler Holz gespeist werden. Gerne können sie nach der Führung noch Zeit im Park verbringen.

Das neue Blumenthal ist ein mutiges Projekt. Die als Schloss Blumenthal betriebene GmbH & Co. KG gehört inzwischen 20 Gesellschaftern, die alle Entscheidungen gemeinsam und einstimmig fällen. Konflikte werden offen ausgetragen, schwache werden von stärkeren unterstützt, die älteste Person ist 81 Jahre und kann ihren Lebensabend mit ihren Kindern verbringen und 2007 sind die ersten beiden Kinder in Blumenthal geboren worden. Von Arbeitsplätzen für die erwerbstätigen Personen bis zum Kindergarten über das betreute Wohnen für alte Menschen und Behinderte, bietet Blumenthal einen Rahmen, wo die gegenseitige Unterstützung und die Pflege von Freundschaften  und der Aufbau von Blumenthal im Vordergrund steht. Dabei steht es jedem frei, nach seiner Fasson zu leben und jeder ist für seine eigenen finanziellen Belange verantwortlich. Es gibt hier  Menschen mit katholischem sowie anderem christlichen Glauben als auch Menschen mit anderem religiösen Hintergrund, z.B.  eine Muslimin. Wir gehören keiner religiösen, politischen oder weltanschaulichen Richtung oder Organisation an. Das Spektrum unserer Lebensweisen ist ziemlich groß. Dies alles zusammenzubringen und eine gemeinsame Basis für ein friedliches Zusammenleben zu schaffen ist unsere Aufgabe, unser Ziel spiegelt sich in der Vision wider.

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